Eltern und Migrantenselbstorganisationen als Partner wahrnehmen
Unter großem Andrang fand am 29. Februar 2012 das 4. Netzwerktreffen Bildung und Migration in der Aula der Weiherhofschule statt. Frau Prof. Dr. Boos-Nünning von der Universität Duisburg-Essen referierte zum Thema „Professionelles Selbstverständnis auf dem Prüfstand – Chancen und Grenzen der Bildungs- und Ausbildungspartnerschaft“.
Ihre Kernaussagen waren:
- Kinder mit Migrationshintergrund haben nach wie vor schlechtere Bildungschancen
- Gelungene Biographien zeigen, dass diese Jugendlichen in den verschiedenen Kulturen „spazieren gehen“. Das sei eine Stärke, von der Deutschland profitieren könne.
- Junge, gut ausgebildete Jugendliche wandern oft ins Ausland ab.
- Eltern mit Migrationshintergrund haben hohe Bildungsambitionen für ihre Kinder, unabhängig von der Herkunft und unabhängig davon, ob es sich um Mädchen oder Jungen handle.
- Jedes Projekt, das zur Verbesserung der Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund beitrage, sei gut. Es müsse nur in eine Struktur eingebunden sein, damit die Erfolge nachhaltig und verlässlich seien.
- Um bessere Bildungs- und Ausbildungserfolge zu erzielen, sollten MigrantInnenselbstorganisationen (MSO) als Partner einbezogen werden. Sie leisteten einen großen Beitrag in der Bildungs- und Jugendarbeit.
Nach dem Referat hatten Freiburger Akteure Raum, ihre Strategien vorzustellen. Zuerst kamen Praktiker zu Wort, um darzulegen, wie sie die Bildungs- und Ausbildungspartnerschaften erleben. Andres Rathke, Schulleiter der Int. Hauptschule im Römerhof, stellte fest, dass intensive Einzelfallberatung zu guten Übergängen in Berufe führe, obwohl viele Kinder von den Eltern losgelöst lebten. Axel Gräfingholt, Mentor für Berufseinsteiger aus Freiburg, konnte bestätigen, dass für Unternehmen die Herkunft keine Rolle spiele. Die Unternehmen würden sich fragen, wie sie die Defizite der vorherigen Bildungseinrichtungen beheben könnten.Ein Teilnehmer stellte fest: „Noch immer müssen Kinder mit Migrationshintergrund sehr viel mehr Bewerbungen schreiben. Zu viele Ausbildungsplätze haben Anforderungen, die viele Schulabgänger nicht erfüllen können.“In einer zweiten Runde stellten Herr Dilger (HWK), Herr Möller (IHK), Herr Vossler (Staatl. Schulamt) und Herr Gourdial (BA) dar, welche Pläne in ihren Häusern angegangen werden. Alle waren sich einig: „Freiburg ist auf dem richtigen Weg. Kooperationen eingehen ist eine win-win Situation. Jeder Jugendliche sollte die Chance auf einen Ausbildungsplatz haben. Da sind Bildungspartnerschaften gute Beispiele.”
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